


Ein Jahrmarkt der Wunder. Ein Land voller Hoffnung. Eine alte Legende.
MoraLand ist ein poetischer Theaterjahrmarkt, der seine Besucher in einen Kosmos aus Geschichten, fantastischen Figuren und verrückten Phänomenen schickt. Auf poetisch sinnliche Weise wird von einer Welt erzählt, deren Bewohner sich entschieden haben, wieder im Einklang mit der Natur zu leben.
Ein Jahrmarkt der Wunder.
Ein Land voller Hoffnung.
Eine alte Legende.
Wir brauchen nicht nur innovative Techniken, sondern auch neue Geschichten für die Welt von Morgen – eine Welt, in der Nachhaltigkeit zu einem der zentralen Werte in unserer Gesellschaft werden muss.
Nach zwei Jahren Entwicklungszeit präsentiert Theater Anu eine Theaterinstallation, die nicht aktueller sein könnte: MoraLand thematisiert das Verhältnis von Mensch und Natur.
Kuriose Lampenschirmfiguren, viele Schaubudenwunder und die Suche nach einer neuen Königin bestimmen die Fiktion um MoraLand, einem Land, dessen Bewohner sich entschieden haben, wieder im Einklang mit der Natur zu leben.
Der Jahrmarkt wird mindestens sechs Stunden geöffnet haben, die Schaubuden schließen nach etwa fünf Stunden. Das Ende von MoraLand richtet sich nach dem Publikum. Outdoor und in Zelten. 13 Figuren, Schaubuden, Installationen und stromsparendes LED-Licht. Die Aufführung findet zweisprachig statt: auf Deutsch und auf Mora.
Zelte mit bunten Schaubudenfassaden, phantastischen Lampenschirminstallationen und zahlreichen Lichterketten bilden einen Jahrmarkt als Bühne für ein ungewöhnliches Theaterereignis. In der Tradition alter Jahrmärkte gibt es auch bei Theater Anu kuriose Dinge in den Schaubuden zu erleben: ein Konzert für zugehaltene Ohren oder eine traumhafte Lichtvorführung mittels einem Riesenkaleidoskop, in das 40 Menschen gleichzeitig blicken können. In einer Bude scheint die Schwerkraft ausgesetzt zu sein, in einer anderen verschwindet auf wundersame Weise der Schnee auf gemalten Bildern. MoraLand hat seine Türen geöffnet!
Auf einem großen Platz ist über Nacht ein riesiger roter Knosp gewachsen. Das kleine Volk der Moraner hat ihn entdeckt und um ihn herum seine Schaubuden aufgebaut: Ein riesiges Kaleidoskop, sich magisch verwandelnde Gemälde, ein kurioser Schwingungsapparat und andere erstaunliche Dinge erzählen von der wundersamen Kultur der Moraner, die gekommen sind, um ihre neue Königin zu krönen. Der alte Brauch will, dass sie für eine Nacht im roten Riesenknosp schlafen muss. Nur dann ist der Bund zwischen ihnen und ihrer Moorts-Pflanze wieder neu besiegelt.
MoraLand ist weit mehr als ein Theaterstück. MoraLand schickt seine Besucher in einen Kosmos aus Geschichten, fantastischen Figuren und verrückten Phänomenen. Auf poetisch sinnliche Weise wird von einer Welt erzählt, deren Bewohner sich entschieden haben, wieder im Einklang mit der Natur zu leben.
Die Theaterinstallation wird mindestens sechs Stunden für mehrere Tausend Menschen erlebbar sein; Tages- und Nachtspiel. Outdoor und in Zelten. 13 Figuren, Schaubuden, Installationen, 30 Scherenschnitte, 600 stromsparende LED-Glühbirnen, 60 Lampenschirme, viele Geschichten und ein roter Riesenknosp kreieren eine phantastisch-poetische Welt. In MoraLand werden zwei Sprachen gesprochen: Deutsch und Mora.
Handin, Maler der Sonnenuntergänge – Martin Kaschke
Garmuug, der Steingärtner – Karen Rémy
Reka, die wahre Königin – Franziska Wente
Iora, Spiegelmacher – Johanna Malchow
Schanti, Kaleidoskop-Bauer – Tim Engemann
Schuri, Kaleidoskop-Bauer – Harry Unger
Xerxa, Sänger von Sang – Ulrike Tabor
Anyo, Musiker des Schwingklingklangs – Stefan Emde
Gomb, ein Mensch – Jacek Klinke
Taruk, Samenhüter – Markus Moiser
Zavija, die Zofe – Sabine Henn
Vanja, Waldläuferin – Bärbel Aschenberg
Tindo, Hüter der Knospe – Martin Thoms
Bühnenbild – Martin Thoms
Technik – Ralf Abilgaard, Matthias Stephan
Autor der Geschichten – Stefan Behr
Regie – Sybille Behr
Projektleitung – Sybille Behr, Stefan Behr
Klimawandel und Umweltkatastrophen sind in einem hohen Maße vom Menschen verursacht. Wir wissen das. Wir wissen auch, was sich ändern müsste. Und dennoch fällt es uns schwer, angemessen zu handeln. Diese Diskrepanz zwischen Umweltbewusstsein und Handlung entwickelt sich zu dem größten Hindernis bei der Bewältigung der bevorstehenden Aufgaben zur Rettung des Ökosystems „Erde“. Warum ist das so? Was fehlt uns Menschen? Wo ist das Land, in dem Menschen leben, von denen wir erfahren können, wie man wieder mit der Natur lebt – sich als einen untrennbaren Teil von ihr versteht. Moraland ist eine Einladung, ein Land voller Hoffnung zu bereisen und über die fiktive Idee der moranischen Welt, Sehnsucht nach einer eigenen Utopie zu spüren, nach einem Leben, im Einklang mit den anderen Geschöpfen dieser Welt.
Nachdem der Forschungsreisende Heinrich Barke 1894 bei einer seiner Expeditionsreisen das Volk der Moraner entdeckte und bei ihnen mehrere Monate lebte, entschloss er sich bei seiner Rückkehr nach Deutschland den Ort des kleinen Landes nicht bekannt zu geben. Trotz des Drängens seiner Kollegen verriet er ein Leben lang sein Geheimnis nicht. Die Fachwelt verspottete ihn, nannte ihn einen Aufschneider. Doch er war voller Begeisterung für MoraLand und reiste immer wieder zu seinen wundersamen Freunden.
1918 – während seiner letzten Reise – schrieb er:
„Es ist mir, als hätte ich mich mit dem letzten unausgesprochenen Wunsch einer Fee in dieses wundersame Land gerettet. Ich kann nicht sagen, dass ich die Sprache der Moraner beherrsche, auch wenn sie wundervoll klingt. Ich kann nicht sagen, dass ich all ihre Geschichten kenne – auch wenn ich versuchen werde, die gehörten nicht zu vergessen. Was ich aber sagen kann, ist: In Mora habe ich das Sehen gelernt und das Staunen wiedergefunden. Wichtiger erscheint mir jedoch: Die Moraner haben etwas erreicht, von dem wir weit entfernt sind: Sie haben – trotz ihrer Liebe zur Technik – Frieden geschlossen mit sich und der Natur.”
Ein Auszug aus dem Buch Heinrich Barkes:
„Die Moraner nennen die Natur ‚d wandola moo‘. Das bedeutet ‚das heilige Land‘. Ich habe die Bedeutung dieser Worte nie verstanden, bis ich eines Tages Saaf, den Waldläufer auf einer Wanderung begleitete. Wir hatten die Siedlung verlassen und waren an den Rand des Waldes gekommen. Plötzlich verlangsamte Saaf den Schritt. Er veränderte seinen Gang, wurde ruhig, fast feierlich. Ohne es zu wollen, tat ich es ihm gleich. So durchschritten wir stumm den Wald. Ich habe das später immer wieder erlebt: Die Moraner betreten die Natur wie wir Menschen eine Kirche. Ich schreibe diesen Satz gleich noch einmal, denn sollte jemand meine Aufzeichnungen lesen, darf er diesen Satz einfach nicht übersehen: Die Moraner betreten die Natur wie wir Menschen eine Kirche.“ | Heinrich Barke: Meine Reisen nach MoraLand, Eigenverlag: Berlin, 1921, S. 34.
In MoraLand gab es einst eine wundersame Pflanze: Das Moorts. Überall im Land sprossen ihre großen Knospen aus der Erde. Das Moorts sicherte den Moranern ihr Leben: Sie konnten es essen, Kleider aus ihm nähen oder mit den roten Blütenblättern die Dächer ihrer Hütten decken. Das Erstaunliche an dieser Pflanze war, dass jede Knospe mit den anderen durch eine Art Wurzel verbunden schien. So erkannten die Moraner, dass es sich nicht um tausende einzelner Pflanzen, sondern nur um eine einzige handelte, die sich unter ganz MoraLand ausgebreitet hatte.
Doch als ihre letzte Königin, die noch die Sprache des Moorts verstand und seinen Gesang hören konnte, starb, nutzten die Moraner das Moorts übermäßig und es verschwand mehr und mehr. Sie gerieten dadurch in immer größere Nöte bis schließlich ihr kleines Land kurz vor dem Untergang stand.
Die Moraner aber sind ein Volk voller Hoffnung. Sie begannen viele neue und verrückte Ideen zu entwickeln, um das Moorts zukünftig zu schonen. Sie machten sich auf die Suche nach dem selten gewordenen roten Riesenknosp, um eine neue Königin für ihr Land zu finden. Diese muss – so will es das Ritual – für eine Nacht im Knosp schlafen. Nur dann ist der Bund zwischen den Moranern und dem Moorts wieder geschlossen.
Imo sor
Wir sind gekommen,
vador, vator
heute hierher
to zera la
zu feiern
d Mora morana.
die zukünftige Königin.
Se or o ven d vlim.
Gehet hinein und erfreuet Euch am Glanz
imo toro dodo, kir o glim
Wir tanzen mit Euch, trinken und essen,
lit ena morana d Mora va.
bis am Morgen die Königin erwacht.
MoraLand ist ein Projekt, das Theater Anu lange begleiten wird. Im Sinne unserer Idee der „poetischen Welten“, wird MoraLand zu einem Geschichtenkosmos heranwachsen der weit über übliche Inszenierungen im Bereich Straßentheater hinausweist. Erste Schritte dieser Entwicklung zeigte uns die Auftragsinszenierung in Idar-Oberstein, in der wir, themenspezifisch – es handelte sich um die Überbauung des Nahe-Flusses mit einer Bundesstraße – unsere Moraner über die Obersteinen von MoraLand erzählen ließen. Die Edelsteinstadt hat uns zur Geschichte des Steingärtners inspiriert, der Von der Kunst ein Gärtner von Steinen zu sein erzählte. Diese Geschichte, die die Nachhaltigkeit von Entscheidungen einfordert, die an ein langfristiges Denken appelliert, wird aus dieser einmaligen Auftragsinszenierung nun einen festen Platz in unserem Jahrmarkt finden und ihn deutlich mitgestalten. MoraLand ist um eine Geschichte reicher und auch weiser geworden.
Neben MoraLand als Repertoire-Inszenierung entwickeln wir auch kleine und große MoraLand-Produktionen. Dies meint, dass es nicht immer einen Lichterfluss aus 40.000 Kerzen als Bühne für unsere Lampenschirmwesen braucht. Auch kleine mobile Theaterinszenierungen werden MoraLand thematisieren und zu den Menschen tragen. In Planung sind ein Kindertheater, das den Waldläufer Saaf näher beschreibt und eine Tanzperformace des Steingärtners.
Neben diesen Inszenierungen möchten wir auch ein virtuelles MoraLand in Angriff nehmen. Doch dies erst ab 2012.
MoraLand ist eine komplexe Inszenierung: Die Dramaturgie des Jahrmarkts umfasst Tages- und Nachtspiel, die Schaubuden spielen immer im Loop bis mit dem Sonnenuntergang Mora morana entdeckt wird und nach dem Königinnenritual schaa ina moorta versucht, bis zum Sonnenaufgang im Moortsknosp zu schlafen. Die Inszenierung wird erst dann enden, wenn der letzte Besucher gegangen oder der neue Tag angebrochen ist.
Wir danken dem Theaterhaus Berlin Mitte für seine tatkräftige Unterstützung im Probenprozess.