Auf einer Länge von über 600 Metern fließt ein Fluss aus 40.000 Kerzen durch die Stadt Idar-Oberstein. Der Fluss Nahe, in den 80er Jahren mit der Bundesstraße 41 überbaut, hatte einst das Bild der Edelsteinstadt entschieden geprägt. Heute fließt statt Wasser nur Verkehr, außer an zwei Nächten im Mai…
Das fremde Volk von MoraLand ist in Idar-Oberstein eingetroffen. Alle einhundert Jahre kommen sie an den Ort im Nahetal, um die in ihrem Land behutsam gezüchteten „Obersteine“ schleifen zu lassen. Am Ufer des Lichterflusses erfahren die Besucher mehr von den wundersamen Gästen, der Bedeutung von Licht und Wasser für die Schleifkunst der Obersteine und warum die fremden Wesen für zwei Nächte diesen Lichterfluss errichtet haben.
Stadt Idar-Oberstein
Eröffnung Kultursommer Rheinland Pfalz
7./8. Mai 2010
Inszenierung auf der „Naheüberbauung“. In den 80er Jahren wurde über den durch Idar-Oberstein fließenden Fluss Nahe eine vierspurige Bundesstraße gebaut. Der Fluss ist seitdem aus dem Stadtbild verschwunden. Es bestand die Möglichkeit, für zwei Nächte die Straße zu sperren. Eine Auftragsinszenierung sollte den Fluss zum Thema machen und die für Idar-Oberstein so wichtige Kunst des Edelstein-Schleifens aufgreifen.
Ein Lichterfluss aus 40.000 Kerzen machte die seit 25 Jahren „verschluckte“ Nahe wieder sichtbar. Das Publikum konnte an zwei Abenden entlang des Kerzenstroms flanieren. An zehn Stationen wurden Theaterszenen im Loop gezeigt. Sie erzählten auf poetische Weise „Die Geschichte der Obersteine“. Diese wurde speziell für das Projekt entwickelt.
Da wir uns gerade in der ersten Produktionsphase für unsere neue Repertoire-Inszenierung „Come to MoraLand“ (Premiere 2011) befanden, die sich thematisch mit dem Verhältnis von Mensch und Natur auseinander setzt, sind wir zu dem Entschluss gekommen „Die Obersteine von MoraLand“ dem moranischen Geschichtenzyklus hinzuzufügen. Ein „verschluckter Fluss“ passte nur zu gut in die Welt der Moraner! Eine Art Satellit-Inszenierung von MoraLand sollte entstehen, deren Hauptakteuer die phantastischen Lampenschirmwesen waren, ohne jedoch weitere Teile der zukünftigen Jahrmarktsinszenierung in die Idar-Oberstein-Arbeit mit einzufügen.
Aus dem fernen MoraLand ist eine kleine Gruppe Moraner nach Idar-Oberstein gekommen. Alle einhundert Jahre unternehmen sie diese Reise um ihre „Obersteine“ in der kleinen Stadt schleifen zu lassen. Der Grund: Hier gibt es die besten Schleifer. Doch als sie diesmal die ersten Steine schleifen ließen, bemerkten sie, dass sich das Licht in den geschliffenen Steinen verändert hat. Seit dem der Fluss „verschluckt“ wurde, ist auch das vom Wasser gespiegelte Licht in der Stadt verschwunden. Sie beschließen für zwei Nächte einen Lichterfluss durch Idar-Oberstein zu legen. In diesem besonderen Licht sollen die Schleifer ihre Arbeit verrichten.
Über 20.000 Besucher kamen an beiden Abenden und erlebten die Geschichte der Obersteine. Mehr als 1000 Plakate mit einer der Kerngeschichten – Der Steingärtner – wurden von den Besuchern mit nach Hause genommen.
„Ihr habt mit Eurer Produktion den Menschen hier ein ganz großes unvergessliches Geschenk gemacht, es hat so viel Begeisterung ausgelöst wie nie zuvor in dieser Stadt.
Auch noch am Sonntag waren die Menschen trotz des schlechten Wetters regelrecht beseelt. Dafür ganz herzlichen Dank an Euch alle für dieses gigantische Engagement und für die wirklich grandiose Umsetzung.“
Annette Strohm, Kulturamt Idar Oberstein, Mai 2010
„Bezaubernd! Ihr öffnet die Augen für neue Wege der Theaterkunst und kommuniziert direkt mit den Menschen. Das hat mir viel mehr gegeben als jegliche Inszenierung auf einer großen Bühne.“
Eintrag im Gästebuch, 08.Mai 2010
„Ich wollte mich herzlich bedanken für den bezaubernden Lichterfluss und die Geschichte des Steingärtners. Wir haben Euer Plakat in unserer Edelsteinschleiferei aufgehängt!“
Susanne Lind (Edelsteinmalerin), 11. Mai 2010