

Eine begehbare Theaterinstallation
Die große Reise erzählt von der Lebensreise des Menschen. Für eine Nacht können Besucher in einem Irrgarten aus mehreren tausend Kerzen den Weg in die Mitte suchen. Sie begegnen dabei Figuren, die auf ihrer Lebensreise steckengeblieben sind…
3500 Kerzen. Ein riesiger Irrgarten aus Kerzenlicht, für jeden Ort eigens entworfen. 250 alte Koffer. Koffertürme, Kofferbrunnen, Besucherkoffer. 4000 Besucher. Für jeden einzelnen eine individuelle Theatererfahrung. 3 Stunden. In denen die Sterne vom Himmel gefallen sind und Figuren offenbaren, die den Besuchern ganz nahe sind, mit ihren Geschichten, ihren Augen, ihrer Körperlichkeit…
Ein Lichtermeer breitet sich über Plätze und Parkanlagen aus, durchströmt Tunnel und große Hallen. Für diejenigen, die sich hineinbegeben, wird es zu einem begehbaren bespielten Lichter(irr)garten poetischster Theatermomente – ein Straßentheater der einer neuen, sinnlichen Art.
Ein Narr hat seine Jahrmarktsbude aufgebaut. Er fängt Bilder aus der Luft, erzählt verrückte Geschichten und treibt mit dem Publikum seinen Schabernack.
Wer durch das Tor der Bude tritt, dem eröffnet sich eine ganz andere Welt: ein Irrgarten aus tausenden von Lichtern. Der Besucher wird zum Reisenden: Koffer – Guckkästen gleich – warten darauf von ihm mitgenommen zu werden. Im Labyrinth leben Figuren, die ebenfalls auf der Suche nach ihrem Weg sind: Der Prinz, der nicht König werden will; die Vogelfrau, die ihren Traum vom Fliegen nicht aufgibt; der Lampenträumer, der magische Lichtbilder von einem fremden Land malt und die Besucher nach dem Weg dorthin fragt…
Acht Figuren erzählen von ihren Träumen, vom Nicht-Weiterkommen und von ihren kleinen Inseln des Glücks – ein poetisches Spiel auf dem Weg in die Mitte.
Das Labyrinth ist für fast drei Stunden geöffnet. Die Szenen werden in dieser Zeit ununterbrochen im Loop gespielt.
Die große Reise erzählt von der Lebensreise der Menschen. Der Irrgarten – eine Spielart des Labyrinths – gehört zu den ältesten Symbolen dieser Reise: Menschen, die in das Labyrinth gehen, gelangen ins Zentrum, zur Mitte, zu sich selbst. Die Lebensreise spiegelt sich in der Heldenreise wider – Grundlage vieler Epen und klassischer Hollywoodkinofilme: Der Held zieht in die Welt, um sein Abenteuer zu bestehen. Geläutert und erwachsen kehrt er in die Heimat zurück, um dort Gutes zu tun. Die Geschichte von Theseus und dem Minotaurus im Labyrinth von Knossos ist beispielhaft dafür, dass die Heldenreise und das Labyrinth als dramatischer Ort zusammengehören. Wir inszenieren keinen Minotaurus und keine Heldengeschichten, bieten aber unserem Besucher die Gelegenheit, über die Minotauren im eigenen Lebenslabyrinth nachzudenken. In der Atmosphäre tausender Kerzen wandelt sich das Denken schnell in eine Träumerei poetischer Bilder.
„Was unterscheidet einen Menschen von einem Helden?“,
fragte die Königin Ellib das Moorts.
„Wenn es einen Unterschied gibt, dann nur jenen,
dass der Held seinen Weg immer bis zum Ende geht.“
Aus den Chroniken von MoraLand
Möchten Sie zur Ruhe kommen? „So atmen Sie vorsichtig vor einer zarten Flamme, die gemächlich ihre Lichtarbeit verrichtet.“ Diese Aufforderung findet sich in Gaston Bachelards „Die Flamme einer Kerze“, einem Buch, das sich auf poetisch-philosophische Weise mit der Träumerei bei Kerzenschein befasst. Bachelard beschwört mit seiner eingängigen Sprache die „Träumerei bei kleinem Lichte“ wieder in das Bewusstsein der Menschen. Denn das Denken bei Kerzenschein entschwindet sofort in die Träumerei: Bilder flackern auf, der Geist wird ruhig. Es sind Bilder nicht von dieser Welt. Bilder, die das Reale überschreiten, die an verloren geglaubte Träume, Wünsche und Geschichten erinnern. Bilder von archaischer Kraft, die wir meist nur noch aus alten Mythen kennen. Wir sind in der Sphäre der Träumerei angelangt, die uns fremd und doch so nahe ist.
Wer sich in unsere Lichterlabyrinthe begibt, fühlt sich bald in den Zustand der Träumerei versetzt. Es ist kaum möglich, sich der Atmosphäre dieser riesigen Lichtermeere zu entziehen. Als Traumwandler reist man durch diese Welten, begegnet Figuren, die von ihren Träumen und Wünschen erzählen, die aber – wie der Träumende selbst – nicht in der Lage sind, sie zu leben.
Bachelard charakterisiert das poetische Bild als „direkte Bezugnahme einer Seele zu einer anderen, als eine Begegnung von zwei Wesen, die Glück empfinden“, indem sie in einer poetischen Bild-Sprache einander erzählen und verstehen.
Wir von Theater Anu wünschen uns, dass die poetischen Bilder – unsere wie die der reisenden Besucher unserer „Welt des kleinen Lichts“ – eben diese Kommunikation ermöglichen, ein Spiel entstehen lassen, in dem zwei Wesen – wir Spieler und Sie als Besucher – Glück empfinden. Wir erschaffen die Sphäre der Träumerei, in der Sie hoffentlich über die Nacht des Lichterirrgartens hinaus träumen werden.
Der Narr – Martin Thoms
Der Pinz – Jacek Klinke
Der Lampenträumer – Markus Moiser
Der Turm der Erinnerungen – Sybille Behr
Die Vogelfrau – Dana Wolter/Bärbel Aschenberg
Die Spiegelfrau – Franziska Wente/Johanna Malchow
Die Weltenkammer – Karen Rémy
Die Koffervergabe – Tim Engemann
Die Spielleitung – Sybille & Stefan Behr
Ausstattung – Martin Thoms
„Alle Schauspieler, Kostüme, Koffer und Geschichten brachten mich in eine Welt, wie man sie nur aus Büchern kennt. Eine Welt von der man gefangen ist und nicht mehr loslassen kann…”
Manuel, tête-à-tête in Rastatt, Mai 2008
„Meine Sinne genossen derart, dass ich mich vollends fallen lassen konnte. Das ist das, was ich seit meiner Kindheit am Theater gesucht habe. Lebendigkeit. Mit allen Sinnen dabei. Danke dafür.”
Arndt Kunze, Stahlgraue Nacht in Peine, September 2008
„Ich bin noch immer total fasziniert und berührt…finde keine Worte, wie sehr mir das gefallen hat…aus tiefstem Herzen meinen allerherzlichsten Dank für dieses absolut unvergessliche Erlebnis!”
Christel Mauler, Kehl an der Rheinpromenade, September 2008
Kölnische Rundschau
„Eine wahrhaft poetische Inszenierung, ein leises Spektakel zum Träumen und Meditieren für Jung und Alt war dieses sinnenfrohe Schauspiel, das Stefan Behr und Sybille Behr mit ihrem Theater schon in vielen Städten aufgeführt haben. Wunderschön und absurd zugleich, wenn an den Stationen sich alte Koffer stapeln, die mit ihrem strapazierten Äußeren von vielen Reisen zeugen. Leer sind sie alle. Ein jeder kann sie füllen mit seinen Träumen aber auch mit seiner Alltagslast, ein Stück mitnehmen und einfach wieder abstellen, um für einen Augenblick wieder frei zu sein.“ | 30.08.2010
Mannheimer Morgen
„Etwas Geduld braucht es, bis der Eintritt gewährt wird – aber diese Zeit versüßt der Narr auf der Pforte mit wundersamen Erzählungen und Liedern. Die Licht-Installation auf dem Klüberplatz ist gleichsam eine Reise in Erinnerungen, vorbei an Sehnsüchten und Träumen: Eine Darstellerin lässt Federn von einer Leiter herab schweben, eine andere konfrontiert Gäste mit einem Spiegel; ein Dritter versucht sich vergeblich von einem schweren Reisekoffer zu lösen. Der Irr- und Wandelgarten hält viele solch zerbrechlicher Bilder, wundersame Töne, Musik und Geschichten für seine Besucher bereit: eine große und wunderbare Krönung für das zehnte Straßentheater Festival…“ | 03.08.2009
Memminger Zeitung
„Zum zweiten Mal nach ihrem Auftritt auf dem Alten Friedhof im Jahr 2006 gestalteten die erfahrenen Lichtzauberer des Theaters Anu und des Theaters Magica eine lustvoll-poetische Nacht, perfekt inszeniert und fantasievoll umgesetzt.“|16.07.2009
Badisches Tagblatt
„Der Anblick war einfach überwältigend. Mit hunderten (3.800 Anm. Anu) von Teelichtern verwandelte das Theater Anu den Schlosshof in ein Labyrinth aus warmem Licht. Das sanfte Flackern der Kerzen in der Dunkelheit strahlte eine Ruhe aus, die fernab des tête-à-tête-Trubels gut tat.
Die Akteure des Theaters Anu, die das Labyrinth bevölkerten, entfalteten dank schlichter weißer Gewänder und symbolhafter Requisiten Bilder von archaischer Kraft. Sie verwiesen auf Lebensentwürfe, die mal gelingen, mal scheitern, mal an einen Ort fesseln und ein Vorwärtskommen auf der ‚großen Reise‘ verhindern. Wer den Garten durchquert hatte, durfte dieses Spielfeld von oben betrachten, vom Schlossbalkon aus, und den atemberaubenden Ausblick auf symmetrisch angeordnete Lebenslinien aus Licht genießen.“ | 26.05.2008
Theater Magica ist für Die große Reise der Kooperationspartner von Theater Anu.
Wir danken dem Theaterhaus Berlin Mitte für seine tatkräftige Unterstützung im Probenprozess.
Weitere technische Anforderungen, siehe Technikplan.